Das ISOKONTUREN*-Diagramm dient zur Visualisierung, Analyse und Bewertung von
analogen/digitalen Übertragungsvorgängen im Druck und den Vorstufen.
Bei jedem Übertragungsvorgang im gesamten Herstellungsprozess (Film, analoge
Druckplattenkopie, CtP, Proof, Druckprozess, Digitaldruck, usw.) werden die originalen
Rastertonwerte oder Daten verändert. Im ISOKONTUREN*-Diagramm wird aufgezeigt, ob
diese Abweichungen standardkonform ausfallen oder ob Anomalien im Übertragungsprozess
aufgetreten sind.
Das ISOKONTUREN*-Diagramm präsentiert sich als X/Y-Diagramm. In der horizontalen
X-Achse sind alle Tonwertstufen zwischen 0% bis 100% dargestellt. In der vertikalen Y-Achse
werden die Tonwert- oder Rasterpunkt-Veränderungen in % aufgezeichnet und daraus eine
Kennlinie ermittelt. Der Vergleich zwischen der gemessenen Kennlinie, der Standard-Kennlinie
und den theoretisch berechneten ISOKONTUREN* gibt wichtige Aufschlüsse zum
Übertragungsverhalten.
Das ISOKONTUREN*-Diagramm ist ein wichtiger Bestandteil der PRINT EXPERT* 2000
Systemlösungen PLATE-CHECKER, PRINTCURVE-CHECKER, PROOF-CHECKER
von System Brunner. Der Anwender gewinnt sofort Sicherheit, ob sein Herstellungsprozess
dem Standard entspricht, andernfalls kann er gezielte Korrektur-Massnahmen einleiten.
System Brunner beansprucht unter der Marke ISOKONTUREN*-Diagramm folgende Schutzrechte:
Hintergrund-Informationen und Entwicklung des ISOKONTUREN*-Diagrammes
(Felix Brunner)
Als Ende der 60er Jahre die Europa-Skala der Druckfarben-Hersteller definiert wurde, war
der autotypische Buchdruck noch stark verbreitet. Die Druckstöcke zur Bildwiedergabe
hiessen Klischees (Clichés), bestanden aus stufenweise geätzten Metallplatten,
meistens aus Zink und wurden auf schwere Blei-Unterlagen montiert, um die gleiche Höhe
zu erreichen wie der Bleisatz.
Die Qualitätskontrolle der damaligen Fachleute bestand im wesentlichen in einem Blick
durch den sogenannten "Fadenzähler", einer Lupe zur mehrfachen Vergrösserung,
welche die Rasterpunkte in Druckform und Druck sichtbar machte.
Kennzeichen des Buchdruckes gegenüber dem Offsetdruck war eine deutlich sichtbare
Randzone um die einzelnen Rasterpunkte und Buchstaben, die man als kleinen Farbwulst oder
Quetschrand identifizierte.
Im Offsetdruck als Flachdruck fehlt dieser Quetschrand, der im Buchdruck, als sogenannter
Hochdrucktechnik eine mechanische Ursache hatte, die logisch nachvollziehbar war.
Sowohl im Buchdruck wie im Offsetdruck war die Sorgfalt der Drucker in erster Linie darauf
ausgerichtet, alle Rasterstufen vollständig wiederzugeben wobei sich die Aufmerksamkeit
besonders auf die so genannten Spitzpunkte positiver und negativer Art am Anfang und am Ende
der druckenden Rasterskala konzentrierte. Es ging besonders darum, die kleinsten negativen
Rasterpunkte vor dem "Zusetzen" oder Zuschmieren zu bewahren, um die so genannten
"Tiefen-Zeichnung" zu erhalten.
Als Felix Brunner Ende der 60er Jahre von "Rasterpunktverbreiterung" zu sprechen
begann, weil er diese als die Hauptursache von Abweichungen im schwarz-weissen und im farbigen
Bilddruck zu erkennen glaubte, wurde dies von den Fachleuten zuerst einmal als Beleidigung
aufgefasst, war ihr Berufsehrgeiz doch gerade darauf ausgerichtet, alle Rasterpunkte ohne
Verbreiterungen oder andere Deformationen auf das Papier zu übertragen.
Es brauchte anfangs der 70er Jahre zuerst einmal eine intensive Aufklärungsarbeit, um
die Drucker mit der Tatsache der Rasterpunktverbreiterung vertraut zu machen.
Eine wichtige Hilfe waren dabei wissenschaftliche Untersuchungen aus Amerika, die mit den
Namen Yule, Nielsen, Murray-Davies verknüpft, in Europa bekannt wurden.
Besonders wertvoll erscheinen die Untersuchungen von Yule-Nielsen, welche das Phänomen
des so genannten "Lichtfanges", der bloss optisch wirksamen Rasterpunktzunahme,
verständlich machen. Der Lichtfang ist mit Fadenzähler und Mikroskop nicht zu sehen,
nichtsdestotrotz aber bei der Betrachtung von Bilddrucken sehr wichtig.
Als Felix Brunner in seinen Seminarien anfangs der 70er Jahre den Druckfachleuten die
Frage nach dem Bereich der grössten Punktverbreiterung stellte, war die - falsche -
Antwort durchwegs "zwischen 90% und dem "Zusetzpunkt, der letzten Stufe vor der
Volltonfläche.
Es ist in der Tat nicht recht einleuchtend, dass die grösste flächenmässige
Ausdehnung anderswo auftreten soll, nämlich im Mittelton-Bereich, genauer im Moment, da
sich die vorher isolierten Rasterpunkte gerade berühren. An dieser Prozentstufe erreicht
die Rasterzunahme ihr Maximum und sinkt dann wieder ab.
Demzufolge hat die Punktverbreiterungskurve eine "Hügelform", wenn man diese
so darstellt, wie es Felix Brunner anfangs der 70er Jahre eingeführt hat: Die Ausgangswerte
der Rasterstufen von 0% bis zu 100% auf der horizontalen x-Achse und dazu die Werte der
Veränderung auf der überhöhten y-Achse. Die Überhöhung dient der
Verdeutlichung der Hügelform.
Diese Art der Darstellung ist von Felix Brunner ab Anfang 70er Jahre unter der geschützten
Bezeichnung ISOKONTUREN*-Diagramm systematisch in der Industrie verbreitet worden und wird als
eines der Kernelemente von System Brunner betrachtet, dessen Nachahmung rechtlich verfolgt wird.
Der Scheitel der hügelförmigen Punktverbreiterungskurven hängt sehr von der
Rasterpunktform ab: schachbrettfömige Rasterpunkte berühren sich bei 50%, elliptische
berühren sich in zwei Phasen, nämlich zuerst an den Enden der längeren und dann an
den Enden der kürzeren Achse. Kreisförmige Rasterpunkte berühren sich erst bei Pi/4
also bei der Stufe 78.5%, einer erstaunlichen Tatsache, auf die bei Umfragen bis jetzt noch kein
Fachmann auf Anhieb auf Grund seiner Berufserfahrung gekommen wäre. Die Frage wurde in System
Brunner-Kursen dutzendfach immer wieder gestellt.
Zur besseren mathematischen Erfassung der Rasterpunkt-Veränderungen bediente sich Felix
Brunner des so genannten Randzonenmodells und ging von der Arbeitshypothese aus, dass sich
Veränderungen an den Rasterpunkten im wesentlichen in Randzonen gleicher Breite vollziehen.
Dieses Modell wurde von grafischen Forschungsinstituten eher abschätzig beurteilt,
insbesondere vom holländischen Institut IGT. Demgegenüber stellte Felix Brunner fest,
dass das Randzonenmodell eine sehr hohe Übereinstimmung mit der technischen
Wirklichkeit aufwies.
Das Modell war sehr hilfreich bereits bei der Entwicklung der Mikromesselemente, welche bereits
1973 zu einem Patent gedieh, das für System Brunner ein grosser Erfolg wurde.
Im Sommer 1975 berechnete Felix Brunner in Corippo zahlreiche Randzonen-Flächenwerte.
Es muss daran erinnert werden, dass es damals die logarithmischen Taschenrechner von Texas
Instruments und HP noch nicht gab. Aus diesem Grunde mussten die Berechnungen zum Teil noch mit
dem klassischen Ingenieur-Rechenschieber durchgeführt werden.
Die Berechnungen hatten zum Ziel, Kurven zu konstruieren, welche Randzonenänderungen
gleicher Randzonen-Breite beschrieben. Die Kurven erhielten den Namen ISOKONTUREN, iso für
gleich, Konturen für Randzonen.
Die ISOKONTUREN* wurden für verschiedene Rasterpunkt-Formen berechnet, für
quadratische, kreisförmige, rhomboedrische und für kombinierte.
Das Konzept besteht darin, die theoretisch berechneten Kurven real durch Messungen
ermittelten Kennlinien gegenüberzustellen um daraus verfahrenstechnische Schlussfolgerungen
zu ziehen. Die Methode hat sich inzwischen tausendfach bewährt.
Bei der Kopie von analogen Offsetdruckplatten werden die Rasterpunkte ebenfalls
Randzonen-konform verändert; aber statt einer Verbreiterung wie im Druck tritt eine
Abmagerung ein durch Unterstrahlungen, welche der Fachmann mit "spitzer werden"
bezeichnet.
Bei der Plattenkopie treten in der Regel negative Werte der Flächenänderung
der Rasterpunkte auf. Um diese Veränderungen als Kopierkennlinien im ISOKONTUREN*-Diagramm
darstellen zu können, wurde dieses entsprechend nach unten erweitert.
Diese Darstellung hat den Vorteil, dass sich Druckkennlinien und Kopierkennlinien
symmetrisch zur Null-Achse aufgezeichnet finden. Dadurch kann die Summe von zwei wichtigen
Arbeitsstufen gezogen und analysiert werden.
Das ISOKONTUREN*-Diagramm fand bald auch Verwendung für die Darstellung anderer
Übertragungs-Vorgänge, z.B. der Proof-Kennlinie beim analogen Proof-Verfahren
CROMALIN* von DUPONT, später auch beim digitalen Proofverfahren CROMALIN*.
Es stört dabei wenig, dass die Tintentröpfchen der Inkjet-Technologie als
virtuelle Rasterpunkte in die Darstellung eingehen.
Nach dem Offsetdruck wurden ISOKONTUREN*-Diagramme bald auch für den Zeitungsdruck,
den Tiefdruck und den Flexodruck eingesetzt.
Die Datenerfassung wurde durch den von System Brunner entwickelten Zebrastrip* und durch
die Verwendung von Scanning-Messgeräten enorm beschleunigt.
Durch die ISOKONTUREN*- Methodik wurde das Verständnis und die Beherrschung aller
Druck- und Proofverfahren entscheidend verbessert.